24 Nov

Stellungnahme der Fanhilfe Münster zu den Ereignissen rund um das Auswärtsspiel gegen den KFC Uerdingen in Velbert

Am 20. November 2021 traf der SC Preußen Münster in der Regionalliga West auf den KFC Uerdingen im Stadion Velbert. Am Rande dieses Spiels kam es dabei zu erheblichen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch wir waren als Fanhilfe vor Ort. Seit dem Spiel erreichten und erreichen uns immer mehr Fotos und Berichte über Verletzungen und die Gewaltanwendungen der Polizeibeamt*innen, weswegen wir hiermit die uns vorliegenden Informationen für die Öffentlichkeit darstellen möchten.

Bereits früh am Morgen trafen knapp 250 Preußen-Fans aus allen Teilen des Stadions am Spielort in Velbert ein. Anfangs ohne Polizeibegleitung feierten die Fans friedlich und ohne Vorkommnisse in einer Wirtschaft in der Nähe des Stadions. Von dort zogen die Fans unter Polizeibegleitung in Richtung Stadion, wo trotz der zu erwartbaren Menge an Gästefans lediglich eine kleine Einlassschleuse geöffnet war.

Aufgrund der vorangeschrittenen Uhrzeit und der weiteren, dazu strömenden Fans entwickelte sich im Eingangsbereich Unruhe und Gedränge. Teile des Ordnungsdiensts trugen nicht zu einer Deeskalation bei, sondern provozierten die Fans in der angespannten Situation. Der Druck, der sich hierbei am zu engen Einlass aufstaute und nicht durch Öffnung weiterer Tore entlastet wurde, führte für die Polizei zum Vorwand, mit gewaltsamen Mitteln vorzugehen. Die Polizei schloss daraufhin die Eingangstore unter Anwendung von Pfefferspray und des Schlagstocks. Einen Sturm des Einlasses – wie ihn die zuständige Polizei Mettmann in den Medien bezeichnet – gab es in der Form nicht. Bereits bei diesem Einsatzgeschehen wurden mehrere Fans durch Reizgas und gezielte Schläge verletzt. Die Situation wurde dabei durch die Polizei mit dem Hinzuziehen von mehreren Hunden, die bellend und ohne Maulkorb nach Fans schnappten, weiter verschärft. Eine komplette Eskalation konnte hier nur durch das Einwirken einzelner Fans verhindert werden, die später selbst das Ziel polizeilicher Maßnahmen wurden. Selbst ein Vereinsangestellter, welcher versuchte, die Situation zu schlichten, erhielt im späteren Verlauf eine Strafanzeige von der Polizei. Ein Preußen-Fan wurde in dieser Gemengelage festgenommen.

In der Folge wurde der Stadioneinlass erst nach längerer Zeit fortgesetzt. Die behelmten Polizeibeamt*innen verengten hierbei den zu engen Einlass weiter. Des Weiteren standen zum Anstoß viele Fans noch vor den Stadiontoren. Fans, die sich über das unangemessene Verhalten des Ordnungsdienstes beschwerten, der in Teilen schon beim Auswärtsspiel in Straelen durch unnötiges, provozierendes Verhalten auffiel, wurde teilweise ganz der Eintritt seitens des Sicherheitsdiensts oder der Polizei verwehrt.

Im Laufe der ersten Halbzeit trafen weitere Polizist*innen aus Essen sowie ein Zug der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit aus Wuppertal am Stadion ein. Diverse Beamt*innen fielen im weiteren Verlauf durch übermotiviertes, provozierendes Verhalten auf, was den Eindruck erwecken ließ, dass eine Eskalation bewusst herbeigeführt werden sollte.

Zu Beginn der Halbzeitpause entwickelte sich am Verpflegungsstand eine nichtige, verbale Streitigkeit zwischen zwei Preußen-Anhängern. Der Streit war bereits geschlichtet, als eine Handvoll Polizist*innen in den Gästeblock stürmte und ohne Rücksicht auf Verluste auf die Betroffenen und weitere umstehende Fans losging. Eine Person wurde dabei brutal vor einen Zaun geworfen. Im Rahmen dieser zweiten, polizeilichen Eskalationswelle erlitten mehrere Preußen-Fans Frakturen im Gesicht und Verletzungen durch Reizgas, welches teils wahllos in den gesamten Block gesprüht wurde. Viele der Verletzungen mussten ärztlich oder sogar im Krankenhaus behandelt werden.

Auf die Nachfrage, welches Ziel der Einsatz habe, wurde angegeben, man wolle die Fans über eine schmale Treppe in den hinteren Teil des Blockes treiben. Wer vor Ort war und die Gegebenheiten dort kennt, kann sich vorstellen, dass dies aufgrund von Zäunen schlichtweg nicht möglich war und hier noch weitaus schlimmere Szenarien durch die Achtsamkeit der anwesenden Fans so gerade verhindert werden konnten. Etliche Fans stürzten bei der gewaltsamen Durchsetzung des Einsatzziels durch die rutschige Rasenkante am Gästeblock.

Ein unbeteiligter Fan verlor in dieser Eskalationswelle durch die Gewaltanwendung der Polizei sein Bewusstsein. Weiterhin wurden diesem und weiteren Geschädigten erst nach längerer Zeit medizinische Hilfe durch Sanitäter*innen gewährt, was die Situation weiter eskalieren ließ. Als dieser wieder bei Bewusstsein war und von den Sanitäter*innen auf die Krankentrage getragen werden sollte, stürzten sich mehrere Polizist*innen auf diesen. In der Folge verlor jener erneut sein Bewusstsein. Die entstandenen Verletzungen waren dabei so schwerwiegend, dass dieser mit einer schweren Gehirnerschütterung die Nacht im Krankenhaus verbringen musste.

Die von der Polizei eskalierte Situation beruhigte sich erst durch das deeskalierende Verhalten von Preußen-Fans sowie dem Einwirken von mehreren Vereinsverantwortlichen (darunter Sportdirektor Peter Niemeyer), die nach den Ereignissen bei den Fans im Gästeblock blieben und diese nach dem Spiel bis zu den Bussen durch ein enges, ein Meter breites, einschüchterndes Polizeispalier begleiteten. Wir können nur spekulieren, was im Nachgang noch hätte passieren können, wenn die Preußen-Fans nach den Ereignissen nicht besonnen geblieben und die Vereinsverantwortlichen nicht anwesend gewesen wären.

Wir wünschen an dieser Stelle allen geschädigten Preußen-Fans gute Besserung! Zugleich fordern wir eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse sowie eine rechtliche Verfolgung der Polizeigewalt!

Solltet ihr vor Ort Polizeigewalt erfahren oder beobachtet haben, denkt daran, ein Gedächtnisprotokoll anzufertigen und euch bei uns zu melden! Geschädigte sollten die entstandenen Verletzungen bei einem Arzt oder einer Ärztin dokumentieren lassen! Wünscht Ihr anwaltliche Unterstützung, zu der wir unbedingt raten, wendet euch gerne an uns unter info@fanhilfe.ms! Das Gleiche gilt auch, falls ihr im Nachgang des Spiels Probleme mit der Polizei und der Justiz haben solltet.

Jetzt Fanhilfe anrufen!