15 Mai

Polizeigewalt gegen Balljungen – Kritik an der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit

Am 13.05.2019 kritisierten die Fanhilfen aus Karlsruhe und Münster zusammen das Verhalten der Polizei bei den Aufstiegsfeiern des Karlsruher SC im Preußenstadion. Insbesondere der Schlag eines Polizisten gegen einen Balljungen fand im Nachgang große Beachtung. Wir kritisierten die Suggerierung der Polizei einer Tatbeteiligung oder zumindest Begünstigung durch Karlsruher Zuschauer. Trotz Beobachtungen in Fankreisen und im Internet verfügbarer Videos blieb die Polizei dabei, „dass ihnen genaue Erkenntnisse über die Ursache für die Verletzung bisher nicht vorlägen.“ (Westfälische Nachrichten, 13.5.2019). Einen Tag nach den Veröffentlichungen der Fanhilfen twitterte die Polizei Münster dann:

„Danke für die vielen Hinweise auf Videos zum Vorfall am Samstag beim Spiel #SCPKSC in #Münster. Wir haben die Ermittlungen aufgenommen und das Material gesichert. Derzeit wird dies ausgewertet, um Beteiligte zu identifizieren.“

Uns liegen nun Erkenntnisse vor, die die öffentliche Darstellung der Polizei unglaubhaft erscheinen lassen: Bereits im Krankenhaus wurde der Balljunge von der Kripo aufgesucht. Er sagte aus, dass er von einem Polizisten geschlagen wurde. Im weiteren Verlauf folgte ein Gesprächsangebot seitens der Polizei und des tätlich gewordenen Polizeibeamten an das Opfer (Antenne Münster inkl. Audiobeiträge, 14.05.2019).

Die Polizei wusste frühzeitig um den Tathergang. Warum wurde trotzdessen die Unterstellung gegenüber den KSC-Fans so lange und trotz konkreter Nachfragen durch Medienvertreter aufrecht erhalten?

Die Fanhilfe Münster steht mittlerweile in Kontakt mit den Eltern des Balljungen und wird bei der weiteren Aufarbeitung umfangreich behilflich sein. KSC-Fans haben bereits Anzeige gegen Polizisten gestellt.

Es zeigt sich, dass ein Einwirken und stetes Beobachten von außerhalb nötig ist, um Ermittlungen bei Polizeigewalt anzustoßen. Die Pressearbeit der Polizei scheint sich dabei an bekannten Mustern zu orientieren:

„Immer wieder verbreiteten offizielle Polizeikonten falsche Informationen. Mit ihrer Berichterstattung in Echtzeit nützt die Polizei die Möglichkeit zur politischen Einflussnahme auf das Geschehen, ihre Tweets landen als Fakten in den Medien. Spätere Richtigstellungen verschwinden im Nachrichtenstrudel“ (Netzpolitik.org, 05.03.2018).