22 Mai

Kritik zu den Äußerungen des Polizeipräsidenten im Fall des Balljungen

Die Polizei Münster scheint die Notwendigkeit einer öffentlichen Kommunikation erkannt zu haben, wie die Äußerungen des Polizeipräsidenten Hajo Kuhlisch zumindest andeuten. Wir begrüßen dies und den geäußerten Willen zur Aufklärung, auch wenn diese erst nach einer notwendigen, öffentlichen Debatte mit zahlreichen kritischen Stimmen gegenüber der Polizei erkannt worden ist.

Allerdings scheinen wesentliche Kritikpunkte bei der Polizei nicht verstanden zu werden oder wollen nicht verstanden werden. Zweifelsfrei gehört es zu den Aufgaben der Polizei, Personalien von Geschädigten festzustellen und Beweismaterial zu sichten. Aber wieso wurde der geschädigte Balljunge direkt im Krankenhaus ohne Kenntnis und Anwesenheit der Eltern vernommen, obwohl diese ein Anwesenheitsrecht haben, da ihr Sohn minderjährig ist? Zu kritisieren ist zudem, dass die Sicherung der Beweisvideos spätabends am Tag der Tat zuhause bei der Familie des Opfers geschieht, obwohl die Videos schon zu diesem Zeitpunkt im Internet frei verfügbar waren und ein Besuch zu menschenfreundlichen Zeiten genauso möglich und nicht weniger effektiv gewesen wäre.

Allein der dadurch aufgebaute Druck auf die Familie erzeugte bei ihr ein Gefühl des Bedrängtwerdens, der durch mehrmalige Anrufe der Polizei samt eines vorgeschlagenen Gesprächstermins in den folgenden Tagen nur verstärkt worden ist, weswegen die Familie das Gesprächsangebot nach Rücksprache mit unserer Anwältin Lisa Grüter ausgeschlagen hat. Dass die Polizei dies nicht so sehen mag und die Familie laut des Polizeisprechers „bislang als offen und kooperativ“ bezeichnet, erzeugt einen Beigeschmack, der die Familie und nicht den tätlich gewordenen Polizeibeamten in den Fokus stellen soll, obwohl der Polizeibeamte der Täter ist.

Unsere Anwältin Lisa Grüter äußert sich hierzu wie folgt: „Solange sich der Verdacht nicht ausräumen lässt, dass dieser Austausch hier ausschließlich aus zweckdienlichen Motiven und wegen der eindeutigen Beweislage und der Angst vor schlechter Presse gesucht wird, habe ich vollstes Verständnis, dass der Betroffene sich dafür nicht hergeben möchte.“

Die weiteren Kritikpunkte der Debatte der letzten Tage berücksichtigt der Polizeipräsident ebenso nicht, was davon zeugt, dass weiteren kritischen Fragen ausgewichen wird, um von diesen Punkten abzulenken:

  1. Wieso kann die Polizei am Montag nach dem Spiel gegenüber den Westfälischen Nachrichten keine Aussage zum Tathergang geben, obwohl die Ermittler schon samstags so eifrig waren und der Fall zu dem Zeitpunkt schon bekannt war?

  2. Wieso bleibt der Eindruck der Tatbeteiligung der Karlsruher SC-Fans somit solange bestehen, bis dieser öffentlich widerlegt werden musste und zwar nicht von der Polizei?

  3. Warum gibt es keine Entschuldigungsversuche gegenüber den von Polizeigewalt betroffenen KSC-Fans, von denen mehrere bereits Anzeige gegen Polizeibeamte gestellt haben?

Uns zeigt sich in der öffentlichen Debatte ein Bild, in der die Polizei versucht, Schaden von sich abzuwenden, den sie aber selbst zu verantworten hat. Im bisherigen Vorgehen der Polizei kommt der Verdacht auf, dass die Polizei nur ihre eigenen Interessen und nicht die Interessen einer umfassenden Aufklärung im Sinne des minderjährigen Opfers und der geschädigten KSC-Fans verfolgt.

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